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18.01.2017

Das haben die Heimatfreunde 2017 vor

, Stefan Gilsbach, RP Neukirchen-Vluyn

Mit einem Vorurteil sei gleich zu Beginn aufgeräumt: Man muss nicht gebürtiger Neukirchener oder Vluyner sein, um Mitglied in einem der hiesigen Heimat- und Verkehrsvereine (HVV) zu sein. "Ich stamme aus Mönchengladbach", sagt Hans Delihsen, der Vorsitzende des HVV Vluyn. "Und ich aus Berlin", sagt Dr. Hartwig Müller, Vorstandsmitglied des HVV. Und übrigens gebe es Neukirchener, die Mitglied im Vluyner Verein sind und umgekehrt.

Dennoch hat jede der beiden Ortschaften weiter ihren eigenen HVV. "Ich werde oft nach dem Grund gefragt", bekennt Hans-Peter Burs, Vorsitzender des HVV Neukirchen. "Aber so lassen sich die Aktivitäten besser organisieren. Zusammen hätten wir immerhin rund tausend Mitglieder." Zudem ist die Zusammenarbeit der beiden Vereine gut, niemand behindert den anderen. Beide Vereine gehören zu den Gründungsmitgliedern des Ortgeschichtlichen Museums und organisieren den Aufsichtsdienst in den Räumlichkeiten. Und für das kommende Jahr sind mehrere gemeinsame Aktionen und Veranstaltungen geplant.

So wollen beide Vereine gemeinsam den Gedanken einer touristischen Route verfolgen, die sich um Baumstandorte dreht. Anlass war die Fällung der Friedenseiche in Neukirchen. Noch immer sind mehrere Baumscheiben des allseits beliebten, immerhin 144 Jahre alten Baumes eingelagert. "Wir überlegen, mit dem Erlös neue Bäume zu pflanzen", erläutern Delihsen und Burs. Wo und wie genau, das steht allerdings noch nicht endgültig fest. Zumindest der Rat hat diesem Gedanken schon Rückenwind gegeben.

In diesem Jahr soll auch ein Projekt weitergeführt werden, das die Ortshistorie lebendig werden lässt: Neue Straßenschilder mit Erläuterungen zur Herkunft des jeweiligen Namens. "Wir haben jetzt das Barbaraviertel in Neukirchen im Visier", sagt Hans-Peter Burs. Allerdings suchen die Heimatfreunde noch ein Unternehmen, das die Schilder anfertigen kann.

Eine große gemeinsame Veranstaltung ist für den 24. Juni geplant: ein Kaffeetrinken auf der Halde Norddeutschland. "Nicht nur für jene, die zu Fuß dort hochlaufen können", versichert Hans Delihsen. "Für solche, die nicht so mobil sind, wird es eine Kutschenfahrt nach oben geben."

Die beiden Heimat- und Verkehrsvereine sind zwar vor allem auf den Gebieten Brauchtum und Ortsverschönerung unterwegs, doch sie verstehen sich auch als Sprachrohre für die Bürger in den jeweiligen Ortschaften. Bei großen ortspolitischen Themen sprechen sie regelmäßig mit einer Stimme. So sind sich die Vorsitzenden Hans Delihsen und Hans-Peter Burs einig, dass es keinen Sinn hat, auf Niederberg einen großen Lebensmittelmarkt anzusiedeln. Lieber solle man den Einzelhandel an der Ernst-Moritz-Arndt-Straße stärken. Und dann ist da das Ärgernis der schlechten Nahverkehrsverbindungen. Hartwig Müller kündigt an, dass man die Frequenzen im Busverkehr einmal unter die Lupe nehmen wolle.

Auf die Frage, wie hoch der Altersdurchschnitt in den Vereinen sei, meint Hans Delihsen selbstironisch: "Der ist gestiegen." Es sei schwer, junge Menschen für die Arbeit in den HVVs zu begeistern. Viele zögen während der Berufsausbildung und des Studiums weg. Und auch junge Familienväter beziehungsweise -mütter, die sich in der Stadt angesiedelt haben, sind oft beruflich und privat stark eingebunden. Viele entscheiden sich erst, wenn die Kinder aus dem Haus sind und der Ruhestand näher rückt, für ein Engagement in den örtlichen Vereinen. "So war das auch bei mir", sagt Jürgen Mundta, Vorstandsmitglied des HVV Vluyn. "Ich bin eingetreten, als ich in Ruhestand ging."

Mittlerweile hat die Stadt mit Niederberg einen neuen Ortsteil mit neuen Einwohnern. Bildet sich dort eventuell ein eigener Heimatverein? Davon ist den Vorständen bislang nichts bekannt. Dafür seien bereits einige der Neubürger in die bestehenden Vereine eingetreten. "Wir freuen uns über neue Mitglieder", sagt Delihsen.