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16.05.2014

Bürgerbarometer

Getrennt – und doch vereint

, Wolfgang Krause/ WAZ


Getrennt – und doch vereint

Herr Hans-Peter Burs an seinem Lieblingsplatz - an der Dorfpumpe im Ortskern. Foto: Volker Herold

 

Es gibt den Heimat- und Verkehrsverein Neukirchen, es gibt den Heimat- und Verkehrsverein Vluyn. Natürlich tritt jeder für seinen Ortsteil ein. Aber auch die gesamte Stadt Neukirchen-Vluyn wird repräsentiert. „Wir marschieren getrennt, aber wir schlagen vereint“, nennt das Hans-Peter Burs, Vorsitzender des HVV Neukirchen. Und Jürgen Mundta, Pressesprecher des HVV Vluyn, nickt bestätigend dazu.

 

 

Getrennt – und doch vereint Jütgen Mundta  WAZ FotoPoolFoto: Volker Herold

 

Überhaupt: Die beiden Vereine sind sich alles andere als spinnefeind. Von keinem hört man etwas Schlechtes über den jeweils anderen. Es gibt eine Menge Berührungspunkte. „Wir stemmen gemeinsam die Aufsicht für das Museum“, so Mundta. Und Burs ergänzt: „Das hat 1976 mit der Heimatstube angefangen und wird nach der Wiedereröffnung des Museums fortgesetzt.“ Es gibt gemeinsame Themen wie die Verkehrsentwicklung oder den öffentlichen Nahverkehr, gemeinsame Veranstaltungen, zum Beispiel die Mundartnachmittage oder Kaffeetrinken auf der Halde und im Museum, alle zwei bis drei Jahre gemeinsame Vorstandssitzungen.

Da kann man doch gleich fusionieren! Aber das ist nicht angesagt. „Ich wohne in Neukirchen-Vluyn, aber Vluyn ist mein eigentliches Zuhause“, setzt Mundta eine Duftmarke. „Die Vereine treten für die Belange des Ortsteils ein. Neukirchen-Vluyn hat 28 500 Einwohner. Da kann man sich nicht um alles kümmern“, so Burs.

Dennoch sind beide davon überzeugt, dass das Gefühl, Neukirchener oder Vluyner zu sein, immer mehr schwinden wird. „Dieses Kirchturmsdenken wird aussterben“, glaubt Burs. „Das bleibt höchstens bei denen, die vor 1928 geboren sind.“ Damals vereinigten sich die beiden Ortschaften zur Gemeinde Neukirchen-Vluyn. Mundta: „Es gibt Neukirchener und Vluyner, die sich für den Nabel der Welt halten, die echten Neukirchener sind im Schlagschatten der Kirche geboren, die echten Vluyner stammen von Bauern ab.“ Aber „es wächst zusammen, wir sind eine Gemeinde, haben eine Verwaltung und wir haben im Vorfeld der kommunalen Neuordnung 1975 dafür gekämpft, dass Neukirchen-Vluyn selbstständig bleibt“, ergänzt Burs. „Ob man nun Neukirchener oder Vluyner ist – diese Diskussion ist nicht zielführend.“

Dass es überhaupt zwei Teile einer Stadt gibt, ist durch die Schachtanlage bedingt. „Die lag eben dazwischen und hat ein Zusammenwachsen verhindert – das ergab sich so“, erklärt Mundta. Gleichzeitig habe es aber auch durch eben diese Anlage eine Siedlung gegeben, die die Verbindung der Ortsteile hergestellt habe.

Beide Vereine kümmern sich auch um die Attraktivierung des jeweiligen Ortsteils, gucken auch, was an Geschäften fehlt, melden sich zu Wort, sind intensiv hinter diesen Themen her. Auch das eint. Mundta: „Es gibt überhaupt keine Animositäten zwischen den Vereinen – das wäre ja auch noch schöner!“ Die räumlich Trennung sei zwar gegeben, aber die Interessen seien in etwa gleich. „Wir nehmen gemeinsam als Vertreter Neukirchen-Vluyns an Veranstaltungen teil“, so Burs. Man sitze in einem Boot, stimme sich untereinander ab. Und es gibt wechselseitig Mitglieder in den jeweils anderen Vereinen. Burs: „An unserem Stammtisch sitzen auch Vluyner.“ Mundta: „An unserem Mundartstammtisch gibt es auch Neukirchener!“

Einen Dissens gibt es aber. „Vluyn ist älter“, so Mundta mit Verweis auf eine alte Flurbezeichnung. Burs: „Nein, 1230 gab es die erste urkundliche Erwähnung Neukirchens.“ Wenn das alle Streitpunkte sind, ist es doch gut!