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18.04.2014

Brief vom 18.04.2014 an den Bürgermeister der StadtNeukirchen-Vluyn

Konstruktive Vorschläge des Heimat- und Verkehrsvereins Vluyn zur Sanierung des Vluyner Platzes

 

Sehr geehrter Herr Lenßen,

 

als am Gemeinwohl orientierter und bürgernaher Verein begrüßen wir alle Be-mühungen, die zu einer Attraktivitätssteigerung des Vluyner Zentrums führen – es handelt sich ja um unsere Herzensangelegenheit.

Bereits in der Vergangenheit haben wir uns durch konstruktive Zusammenarbeit  um das gleiche Ziel bemüht und wurden dabei von der Kommune unterstützt - z.B. bei der Errichtung des Leineweberbrunnens, der Beleuchtung der Vluyner Dorfkirche oder auch der Blutbuche.

Wir möchten uns an dieser Stelle ausdrücklich dafür bedanken, dass wir in die laufenden Abstimmungsgespräche über die Sanierung und Neugestaltung des Vluyner Platzes einbezogen wurden.

 

Im Vortrag in der BGU-Sitzung am 11.11.2013  hat der Moderator der Gespräche, Herr Jens Stachowitz, die mehrdimensionale Bedeutung des Platzes für unser Gemeinwesen in seinem Vortrag deutlich dargestellt: Es geht            

nicht nur um die Oberflächengestaltung des Platzes sondern

  • um die Gestaltung
    • …der Ortsmitte und die Verbindung zum historischen Kern
    • …eines Aufenthaltsraumes
    • …eines Stadtraumes,
    • …eines Wirtschaftsstandortes
    • …eines Wohnstandortes
    • …von Grünflächen
  • um Erreichbarkeit, Zugänge und Empfangskultur
  • um Möblierung, Beleuchtung und ästhetische Qualitäten.


 

Unsere Ortskerne stiften Heimat und Identität. Sie bieten uns wichtige Ankerpunkte. Sie sind zugleich vielfältig, einzigartig und unverwechselbar. So sind grundsätzlich die Zentren der Gemeinden Anziehungspunkt für Besucherinnen und Besucher. Zweifellos haben unsere Stadt- und Gemeindezentren als Visitenkarten eine tragende Funktion für die gesamte Stadt oder Region[1].

Der Vluyner Platz in der Mitte des Vluyner Zentrums ist somit ein wesentlicher Bezugs(Besuchs-)punkt für auswärtige Besucher und damit Aushängeschild.

 

Zunehmend verlagert sich aber auch das Leben der Bürger nach draußen und damit ändern sich Anforderungen und tatsächliche Nutzungen des öffentlichen Raumes. Die Stadt-/Ortskerne mit ihren kulturellen Anziehungspunkten, ihren Plätzen, Baudenkmalen und Theatern sind für Bürgerinnen und Bürger Orte der Identifikation. Ereignisse wie Sport-, Musik- und Kulturveranstaltungen beleben die Zentren ebenso wie Gastronomie- und Freizeiteinrichtungen[2].

Überlegungen, die ausschließlich auf eine neue Pflasterung gerichtet sind, greifen deutlich zu kurz. Eine 08/15-Pflasterung oder -Gestaltung sind vielleicht für eine Industriefläche passend, verbieten sich mit Blick auf die notwendige Wertigkeit.

 

Es geht also um die entscheidende Frage: Was ist heute zu tun, um diesen Innenstadtbereich als Ort der Identifikation und als zentralen Entwicklungs- und Leistungsträger zu stärken, attraktiver und damit zukunftsfähig zu machen?[3]

 

  1. Als ein wichtiges Ziel haben wir die Steigerung der Aufenthaltsqualität für Besucher und Bürger identifiziert. Darunter verstehen wir nicht nur eine

ausreichende Zahl von Sitzgelegenheiten sondern auch die

Begrenzung des Lieferverkehrs auf enge Zeitfenster und den

völligen Ausschluss der PKW-Nutzung ohne vorherige schriftliche Genehmigung.

.

  1. Weiter sehen wir eine multifunktionale Nutzung des Platzes für den Wochenmarkt, für Veranstaltungen (z.B. Vluyner Mai, Martinsmarkt, etc.)  und die Bedeutung als Geschäftslage als wesentlich an. Die Organisation des Wochenmarktes sollte mit einer „Einbahn-Regelung“ erleichtert werden; d.h. Zufahrt von der Niederrheinallee und Wegfahrt über die Anbindungen Unterdorf bzw. Im Bruckhausfeld. Die Zahl der notwendigen PKW-Parkplätze sollte durch eine Verkehrszählung – insbesondere auch an den Markttagen – ermittelt und bei zukünftigen Planungen berücksichtigt werden.

Die sich zukünftig verstärkende Nutzung von Fahrrädern und e-Bikes ist durch eine ausreichende Zahl von Fahrradständern zu berücksichtigen. Die im Workshop präferierten Fahrradständer sind nach unserer Einschätzung aufgrund der geringen Höhe u.U. unfallträchtig und nicht e-Bike-gerecht. Die Länge der Fahrradbügel widerspricht auch dem Ziel der möglichst flexiblen Nutzung des öffentlichen Raumes.

 

 

  1. Im Workshop wurde bereits die Ausstattung mit Lampen, Papierkörben („vogelsicher“ und „rauchergerecht“) und Bänken thematisiert. Die Realisierung sollte keinesfalls in „nur verzinkter“- Ausführung erfolgen (die nicht dem Wertigkeitsgefühl von Besuchern und Bürgern entspricht); der Einsatz von lackierten/beschichteten Materialien sollte mit Blick auf Nachhaltigkeit und zukünftigem Pflegeaufwand gegen die Verwendung von Edelstahl(-teilen) abgewogen werden.

 

  1. Den vorgesehenen Eingriff in die Grünflächen und den Austausch der Bäume auf dem Platz halten wir ebenfalls für erforderlich. Durch den Wegfall der Grünfläche vor der Sparkasse verbessert sich die Nutzungsmöglichkeit als Markt- und Veranstaltungsraum.

Auch die Entfernung der beiden Buchen in unmittelbarer Nachbarschaft des Naturdenkmals „Blutbuche“ und die Schaffung einer „Ruhezone“  mit Sitzgelegenheiten würden wir mittragen.

Vielleicht könnte hier auch ein neuer angemessener Standort geschaffen werden für die notwendige Versetzung des Kunstwerkes „Heimat“.

Der unabdingbare Schutzbereich für die Blutbuche muss neu und mit einer wirkungsvollen Umfriedung gestaltet werden.

 

  1. Wir empfehlen in diesem Zusammenhang die Überplanung der „Kleinst“-Straßenbegleitgrünflächen zwischen Bahnhofstraße und Kulturhalle bzw. zwischen Kirchplatz und dem Durchgang zur Kirche mit dem Ziel, den laufenden Pflegeaufwand zu reduzieren.

 

  1. Den Vorschlag der Verwaltung für die neuen Bäume halten wir für absolut unangemessen. Bäume mit einer Wuchshöhe von bis zu 15 Metern und einem Kronendurchmesser von bis zu 8 Metern passen nicht zu der vorhandenen Bebauungshöhe und dem lichten Raum zwischen den Fassaden.  

Die Neupflanzung einer angemessenen Zahl von Bäumen mit natürlicher Wuchsform muss sich an den Proportionen der vorhandenen Gebäude orientieren.

Die Umrandung sollte ebenerdig erfolgen (Beispiel siehe rechts)

Kein Einbau von Bodenstrahlern – nicht nur aus Kostengründen.

 

  1. Zur Oberflächenpflasterung ergeben sich Anmerkungen, die den Rahmen der online-Befragung sprengen würden:

Der Vorschlag in Bezug auf die Steine (Mitte vorne) ist – in Bezug auf Größe und Farbe! -  nicht zielgerecht; eine Pflastergröße von 20x10x10 vermittelt kein Gefühl der Wertschätzung unseres Zentrums und die Farbe ist  nicht angemessen!


Die Mustersteine Vorne links und die

Steine Mitte hinten könnten u.E. jedoch aufgrund der Abmessungen und in einem interessanten Verlege-Muster diese Anforderungen erfüllen.

In vielen anderen Kommunen zeigen Pflastersysteme mit einem Mix aus verschiedenen Steingrößen gute Gestaltungsergebnisse. (Beispiel siehe rechts)

 

 

 

Der Vorschlag einer Orientierungs-fläche ist gut. Die vorgeschlagene differenzierte Farbe der Pflasterung führt jedoch zu einer stärken optischen Längsausrichtung des ohnehin schon langgestreckten Platzes und wird daher von uns nicht befürwortet; eine Kennzeichnung der Fläche durch zwei begrenzende Entwässerungsrinnen - zur intuitiven Führung von Radfahrern etc. - bei Benutzung sonst gleicher Pflastersteine ist u.E. besser.

Vermieden werden sollte auch eine  Nutzungskollision Verkehr auf der Orientierungsfläche versus Außengastronomie.

 

  1. Die Infrastruktureinrichtungen (Stromversorgung, Wasserversorgung und -entsorgung) sollten so angelegt sein, dass weder die Versorgungseinrichtungen den Wochenmarkt bzw. die Veranstaltungen behindern (z.B. versenkbar) noch die Besucher durch Kabel oder Wasserschläuche gefährdet werden.

 

  1. Der Vorstand des Heimat- und Verkehrsvereins hat einen Grundsatzbe-schluss gefasst und möchte für den neu gestalteten Platz zur Verschönerung „des neuen Aushängeschildes der Stadt“  einen Brunnen stiften, der künstlerisch gestaltet den Platzverhältnissen Rechnung trägt.  Als Standort wäre nach unserer Vorstellung der Eingangsbereich des Platzes in der Nähe der Sparkasse geeignet – wir sind aber auch für Alternativen offen.

Auch wenn viele Details derzeitig noch nicht geklärt sind (Gestaltung, Gesamt-kosten, Finanzierung, etc.) und wir sicherlich etwas Zeit für die Realisierung brauchen, wäre es schön, wenn die notwendige Infrastrukturleitungen  bereits jetzt mitgelegt werden könnte um spätere Tiefbauarbeiten zu vermeiden. Dies ist u.E. im Rahmen der Gesamtmaßnahme mit sehr geringen Kosten möglich.

 

  1. Wir würden uns wünschen, wenn im Rahmen der Gesamtmaßnahme auch die fehlenden Vordächer an den Häusern Vluyner Platz 13 bzw. 15 komplettiert würden.

 

  1. Bereits im Zusammenhang mit dem Ausbaubeschluss sollte auch über die zukünftige Unterhaltungsintensität entschieden werden, damit langfristig die Erhaltung dieser großen Investition gesichert wird; wahrnehmbare Abnutzungs-erscheinungen sind im Zentrumsbereich nicht akzeptabel.[4]

 

 

Wir würden uns freuen, wenn wir gemeinsam weiterhin eine wahrnehmbare positive Veränderung in Bewegung halten könnten.

 

Mit freundlichen Grüßen

Heimat- und Verkehrsverein Vluyn e.V.

Hans Delihsen

- 1. Vorsitzender -

PS

Eine Kopie dieses Schreibens haben wir den Ratsfraktionen zur Verfügung gestellt.

In elektronischer Form haben wir diese Schreiben darüber hinaus den Herren Marc Plachetka und Jens Stachowitz und den Mitgliedern des BGU-Ausschusses zugeleitet.



[1] Siehe Weißbuch Innenstadt – Entwurf ;(BMUB) / (BMVI); Seite 3

[2] Siehe aaO  Seite 8

[3] Siehe aaO  Seite 4

[4] Siehe stadt:pilot spezial Die Innenstadt und ihre öffentlichen Räume; Seite11