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Aktuelles

27.03.2018

Et geff nex Schöneres op de Welt as wenn os immes Platt vertällt

, RP-Online Sabine Hannemann/Neukirchen-Vluyn

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Volles Haus meldeten die beiden Heimat- und Verkehrsvereine (HVV) Vluyn und Neukirchen. Die Kulturhalle wurde bereits weit vor Beginn vom Publikum angesteuert. Schon vorab gab es den Begrüßungsschnaps, ein Fisternölleken. Punkt 15 Uhr öffnete sich der Vorhang für die Veranstaltung, die die Mundartgruppe vorbereitet hatte. Ihr Motto für den Nachmittag lautete daher: "Et geff nex Schöneres op de Welt as wenn os immes Platt vertällt."

Rund 25 Aktive warteten auf ihren Auftritt, um mit Vertellstöckskes, Sketchen und Gedechten das Publikum zu unterhalten. "Wir werden einen schönen Nachmittag erleben", war sich Heinz Marten, Chef der Mundartgruppe, sicher. Rund 350 Zuschauer kamen auf ihre Kosten.

Auch wenn die Begeisterung in der Kulturhalle spürbar war, "müssen wir uns darüber klar sein, dass das Interesse an Mundart auf dem absteigenden Ast ist", sagt Hans Delihsen, HVV-Vorsitzender Vluyn. Um den Nachwuchs ist es schwer bestellt. "Mancher traut sich auch nicht, öffentlich zu sprechen oder aufzutreten", ergänzt Peter Burs vom HVV Neukirchen, der durch die Veranstaltung führte.

Dass Heimat momentan angesagt ist, erlebt nicht nur die deutschsprachige Musikszene. "Auf Bundes- und Landesebene haben wir ein Heimat-Ministerium. Heimat ist immer ein Thema", sagt Delihsen. Vorausschauend agierten die Vereine daher bereits, als sie in ihre Satzungen vor Jahrzehnten eine Definition dafür fanden. Sie schrieben sich die Pflege der Heimat, Sprache, Kultur, Tradition und des Brauchtums auf die Fahnen. Dass beide Heimatvereine für den Mundartnachmittag zusammen auf die Bühne gehen, ist mittlerweile selbstverständlich. Delihsen: "Viele Sachen machen wir getrennt, aber wenn es Sinn macht, so wie beim Mundartnachmittag, treten wir zusammen auf."

Zwei getrennte Nachmittage, die von beiden Vereinen gestemmt würden, wären einfach zu anstrengend. Also Kräfte bündeln, zum Wohle aller Beteiligten, so die Strategie. Erika Hartschen hatte dazu passend auch eine kleine Liebeserklärung an "Os liew platt" in petto, ein "Gedeech", das der kürzlich verstorbene Heinz Kreischer verfasste. Damit eröffnete sie den Nachmittag, der auf der Bühne noch manch Kuriosität ans Tageslicht bringen sollte.

Blitzschnell verwandelte sich die Grafschafter Stube in einen Landgasthof. Heinz und Gerda Marten schlüpften in die Rollen von Ober und Gast beim Sketch "Dat fürnähme Äten". Sie wollten schick essen, doch das Malheur nahm seinen Lauf. Die Suppe war zu kalt, dann sorgten zwei Fliegen für Aufregung. Der Ober hatte die Sache im Griff. Das vom Gast gewünschte Pfeffer wie auch Salz streute er selbst kurzerhand über das Fleischgericht, da er gleich immer alles "am Mann" hatte.

Als die Art des Fleisches, nämlich Pferdefleisch, bekannt wurde, geriet der Bratapfel jedoch in Schieflage. Jede Menge Lokales erlebte das Publikum mit dem Vertellstöcksken "Die Reis van Vluyn nor Nekerken", die vorbei an der Bergmannskulptur auf den Neukirchener Platz führte. Mit Spannung erwartet wurde der Beitrag der siebenjährigen Isabell Essers "Wie ek met Opa Pöckskes hole ging."

Viel Neues bot der Kaffee-Nachmittag und auch ein Wiederhören von Stücken, die vor rund 20 Jahren gespielt wurden. Gegen 18 Uhr endete mit dem "Owenlied" des Neukirchener Mundartdichters Heinrich Goldberg die Veranstaltung.